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Der Name Kromeriz (Kremsier) ist ohne Zweifel slawischer Herkunft. Er bezeichnet jemanden,der auch außerhalb seines eigenen Stammesund Landes berühmt geworden ist.In der Zeit des Großmährischen Reiches im 9. Jh.nach Christi Geburt gab es hier eine slawische Burgstätte, die einen wichtigen Verkehrsknotenpunktan der Furt über den Fluß March überwachte.Hier kreuzte sich der alte Salzweg, der vom österreichischen Salzkammergut nach Nordmährenund weiter führte, mit dem berühmten Bernsteinweg,der sich von der Ostsee bis zur Adria zog. Dieser Verkehrsknoten behielt seine Bedeutung auchin der romanischen Epoche, nun jedoch als slawischer Handelsplatz mit einer Ansiedlung. Danach ließ der Bischof Bruno aus Schaumburg (1245-1281) den Marktfleckenzu einer befestigten Stadt erheben.Die romanische Ansiedlung, zu einer gotischen Burg umgebaut, wurde zum Zentrum einer Lehensorganisation, die hier das Lehensmannsgericht errichtete. Der Bischof Stanislav Thurso (1497-1540) begann, die Burg zu einem Renaissanceschloß umzuwandeln.Im Jahre 1509 lud der Bischof den König Vladislav II.nach Kremsier ein und erwähnte bereits den hiesigen schönen Garten, der auch dem Prinz Ludwig gefallen würde. In diese Zeit fällt der Erwerb der vier Bildervon Lucas Cranach; zwei davon sind mit dem bischöflichen Wappen versehen - es handelte sich also um eine Auftragsarbeit. Im Jahre 1588 bestätigte Kaiser Rudolf II. den hiesigen Bischöfen den Fürstentitel, und im Jahre 1608 das uralte Recht, im mährischen Bistum Münzenzu prägen. Fast am Ende des dreißigjährigen Krieges,im Jahre 1643, eroberte der schwedische General Torstenson die Stadt. Sie wurde mit dem Schloß niedergebrannt, später noch zweimal ausgeplündert und 1645 durch die Pest entvölkert. Von 244 Anwesen blieben in Kremsier nur 69 bewohnte Häuser übrig, und davon waren manche zum Teil zerstört. Von dieser Katastrophe konnte sich die Stadt lange nicht erholen.Diese trostlosen Umstände änderten sich durchdie tatkräftige Persönlichkeit des neuen Bischofs Karl II.von Liechtenstein-Castelcorn (1664-1695). Es wurde berichtet, daß der Bischof nach seiner Thronbesteigungauf die Terrasse des Schloßturms kam und angesichtsder zerstörten Stadt weinte. Unmittelbar darauf nahmer sich vor, seiner Residenzstadt zu einem wahrhaftig fürstlichen Aussehen zu verhelfen. Er errichtet alsoin Kremsier ein Bauamt, das nicht nur etliche bischöfliche Bauunternehmen beaufsichtigte, sondern auchdas Bürgertum zur Erneuerung der Bauten und Anlagen antrieb.Das zerstörte Schloß bot nicht einmal eine Notunterkunft, der Bischof wohnte in einem der Kapitelgebäude. Bereits im folgenden Jahr nach der Inthronisierung beganner hinter der Stadtmauer mit den Arbeiten an einem großen Garten italienischen Typs, den der Bischof Lustgarten nannte und den man heute als Blütengarten kennt. Sein Aufbau dauerte zehn Jahre und erforderte phantastische 75.000 Goldstücke.Das Projekt für den bischöflichen Auftrag bearbeiteten: der kaiserliche Architekt Ingenieur Filiberto Lucchese und nach dessen Tod sein Kollege Ingenieur Giovanni Pietro Tencalla. Sie leiteten auch die Arbeiten an der Rekonstruktion und Erweiterung des Schlosses, die 1688 beendet wurden. Bei dem Aufbau des Schlosses wurden fronpflichtige Bauern und fronpflichtige Gespanne genutzt. Außerdem arbeiteten hier sogar auch Häftlinge.Die Verbrecher des großen bischöflichen Herrshaftsgutes wurden nicht wie üblich zur Pflichtarbeit in der Festung Hukvaldy, sondern zu der an der Residenz in Kremsier verurteilt. Bischof Liechtenstein ließ auch den Unteren Schloßgarten umgestalten, die Stadtmauer reparieren,das Wasserleitungssystem rekonstruieren, einige Brunnen und ein Münzhaus bauen, er stellte einen Amtsarzt an, brachte einen lehrenden Piaristenorden in die Stadtund ließ für ihn ein Kollegium, ein Gymnasiumund ein Sängerseminar gründen. 1689 ließ er eine Friedensmauer zwischen der Stadt und dem Judenghetto bauen und ein jüdisches Rathaus errichten.Die Schloßbibliothek bekam eine Stiftung zum Erwerb von weiteren Büchern und zum Unterhalt eines Bibliothekars. Eine Schloßkapelle wurde gegründet, die mit ihren36 Musikern die größte im damaligen Europa war.Die bischöfliche Garde bestand aus vierundzwanzig rotgekleideten Musketieren, vier berittenen Trompeternund sechs Pfeifern.1673 kaufte der Bischof die Gemäldesammlungder Gebrüder Franz und Bernard Imstenreadori, Neffendes Sammlers Ewerhard Jabach, dessen Sammlungdie Grundlage der Gemäldegalerie im Pariser Louvre bildete. So gelangten Werke weltberühmter Meister in den bischöflichen Besitz, wo sie die Schloßgalerie bereicherten.Das Schloß, von Bischof Liechtenstein erbautund ausgestattet, wurde zur Krone der Stadt, die so ein wahrhaft fürstliches Bild bot.Als 1752 die ganze Stadt vom Feuer heimgesucht wurde, fiel diesem dabei auch das Schloß zum Opfer. Bei der baulichen Rekonstruktion wurden neue künstlerische Raumgestaltungen ausgeführt, hauptsächlich im zweiten Stock, der besonders vom Feuer betroffen war. Im Jahre 1759 dekorierte der Wiener Maler F.A.Maulbertschdie Decke des Lehensmannssaals und schuf damit eines seiner besten Werke, dessen künstlerische Fertigkeit sich mit der Kunst des venezianischen FreskenmalersG.B. Tiepolo vergleichen läßt. Der mährische Maler J. Stern gestaltete fast zur selben Zeit die Decke der Großen Bibliothek (1759) und der kleineren Bibliothek (1760). 1761-66 schmückte er, in Zusammenarbeit mitdem Bildhauer F. Hiernle, die Kapelle St. Sebastian aus. 1772 wurde schließlich der Große Speisesaal (der spätere Tagungssaal) renoviert; das Deckengemälde schuf F.Adolph aus Freenthal und die Stuckarbeit M.K.Keller. 1795 wurde an dem Schloß die Colloredo-Kolonnademit einem anschließenden terrassenartigen Giardinetto erbaut. Bis zur Hälfte des 19.Jh wurde der Garten unterhalb des Schlosses erweitert, hergerichtet und ausgestaltet,so daß er sich zu einem der wertvollsten Landschaftsparks Europas entwickelte.Im Revolutionsjahr 1848 tagte in dem Großen Speisesaal das Parlament der Österreichischen Nationen, seine Tagungen wurden jedoch im März 1848 aufgelöst. Trotzdem wird der Name Tagungssaal bis heute verwendet, denn der Ort hat gewiß den Charakter einer nationalen Kulturgedenkstätte.Die historische Bedeutung des Kremsierer Schlossesund seiner Gärten ist aufschlußreich und unermeßlich, und das nicht nur im lokalen Ausmaß, sondern auchfür die tschechische Geschichte im Kontext europäischer Zusammenhänge. Die Bewahrung der künstlerischen Authentizität und des ursprünglichen Zustands stellteden Komplex in die europäische Kulturschatzkammer.Die außerordentlich gelungene Synthese von Architektur und Gartenkunst behauptet ihre Bedeutung auchim internationalen Vergleich und ist zu Recht Bestandteil des Weltkulturerbes.